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le grand spectacle

Gestern habe ich mich spontan zum Alten Hafen aufgemacht, um mir die “Moulin à image”, eine riesige Projektion über die 400-jährige Geschichte Québecs, anzugucken, die dort jeden Abend gegen 22 Uhr gezeigt wird. Außer mir waren – trotz des Regens – noch an die tausend (oder noch mehr^^) weitere Schaulustige gekommen. Die Show war extrem beeindruckend und sehr gut gemacht; dazu auch eine Passage aus dem Tagesspiegel, die die Atmosphäre gut rüberbringt:

“Was Abend für Abend unterhalb dieser Kulisse am Hafen stattfindet, ist jedoch alles andere als ein rückwärtsgewandtes Historienspiel. Sobald die Sonne verschwunden ist, dröhnen Maschinengeräusche über das Wasser, der Boden vibriert, gigantische Videoinstallationen und Maschinen erwecken die alten Kornspeicher gegenüber der Hafenpromenade zum Leben. Es folgt ein vierzigminütiger Parforceritt durch die Menschheitsgeschichte und die Entwicklung Québecs, geschaffen vom Regisseur Robert Lepage, hier geboren und einer der bekanntesten Künstler seines Landes. 600 Meter breit und 30 Meter hoch ist die aus Kornspeichern bestehende Leinwand, auf die er seine Multimedia- Collage projiziert, malerisch reflektiert im alten Hafenbecken, hin und wieder von einem vorbeiziehenden Boot unterbrochen.”

Die Projektion ist wirklich unglaublich kreativ und nutzt den Konrspeicher voll aus. Die bestrahlte Gebäudewand besteht aus drei längeren Abschnitten und einer Art Turm, auf dessen Dach zum Beispiel eine Wasserfontäne losgeht, wenn im Film ein Wal vorbeischwimmt, oder ein Feuer entzündet wird, wenn es um Aufstände und Krieg geht. Auch die einzelnen Silos der flachen Abschnitte kommen nicht zu kurz: Sie dienen je nach Situation als Orgelpfeifen, Zigaretten, Buchrücken, Reagenzgläser, Walzen usw. Am Ende geht man gut gelaunt und mit ordentlich durchgepusteten Ohren nach Hause, denn die vielen über das Hafengelände verstreuten Lautsprecher machen sich echt gut als Mega-Surroundanlage und geben dem ganzen mit viel Musik und lustigen Effekten den letzten Kick. Da es fast andauernd genieselt hat, konnte ich keine Fotos von der Projektion machen. Ihr könnt aber in den oben zitierten Artikel schauen, da ist eine Szene festgehalten. Ich kann euch nur ein Foto von der wartenden und in Regenjacken und -schirme eingepackten Masse bieten. 😉 Es herrschte übrigens ne sehr gemütliche und angenehme Stimmung unter den Zuschauern; ich will in den nächsten Tagen auf jeden Fall versuchen, es mir nochmal anzugucken.

Warten auf die "Moulin à imagine"

Warten auf die "Moulin à imagine"

Zweiter Tag – Ville de Lévis und 400-Jahrfeier

Heute habe ich dermaßen viel gesehen und unternommen, dass ich gar nicht weiß, wo ich eigentlich anfangen soll. Okay, also am besten der Reihenfolge nach… 🙂 Das Wetter war im Vergleich zu gestern perfekt – fast wolkenloser Himmel mit knallender Sonne, den ganzen Tag lang. Habe ich natürlich voll ausgenutzt und mir gleich mal nen Sonnenbrand geholt; ist mir aber egal, dafür hat es sich gelohnt. ^^

Québec liegt direkt am Sankt-Lorenz-Strom. Den ganzen Tag über verkehren zwei Fähren im 30-Minuten-Takt zwischen Québec und Ville de Lévis – so heißt der Ort auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses. Und dorthin bin ich heute gefahren. Was man von Québec schon kennt, setzt sich hier nahtlos fort: Man hat wieder mit sehr vielen Höhenunterschieden zu tun. Lévis liegt direkt an einer Steilküste, die man über eine von mehreren Treppen ersteigen kann, wenn man gerade mal kein Auto parat hat. Von oben wird man dafür mit einem herrlichen Ausblick über den Ort, aber vor allem auch über die Québecer Uferpromenade belohnt.

Québec von Ville de Lévis aus

Québec von Ville de Lévis aus

Ansonsten verbreitet der Ort amerikanisches Kleinstadt-Flair, wie ich es so in Québec bisher noch nicht gefunden habe. Da passt einfach alles – die Autos, die Häuser und die Anlage des Ortes. Nur die Sprache nicht, aber genau das macht die Sache noch interessanter. 😉 Hier so ein typischer Blick in eine der Straßen von Ville de Lévis:

Ville de Lévis

Ville de Lévis

Ganz andere Sache: Esst ihr gerne Softeis? So richtig süffig, mit Schokoglasur? Achso, am liebsten in Dänemark, weil es da so gut schmeckt? Dann müsst ihr unbedingt mal nach Ville de Lévis und in die Schokoladenmanufaktur Les Chocolats favoris gehen. Da bekommt ihr nämlich das hier…

Les Chocolats favoris

Les Chocolats favoris

Baaaaaamm!!! 😉 Ich gehöre zu genau solchen Leuten wie oben beschrieben. Aber sowas habe ich noch nicht gegessen. Mein riesiges Softeis wurde ungefähr drei Minuten lang in eine Zartbitterkuvertüre getaucht, sodass sich eine bestimmt 4 mm dicke Schokoschicht gebildet hat – und das bei der Größe… super lecker, aber danach brauchte ich erstmal nichts weiter zu essen.

Nach über drei Stunden in Ville de Lévis mit Sonne, einem extrem leckeren Eis und vielen schönen Blicken rüber aufs andere Ufer bin ich dann wieder nach Québec übergesetzt (zu dem Abstecher in die Bibliothek von Ville de Lévis werde ich in den nächsten Tagen noch gesondert etwas schreiben). Den restlichen Tag habe ich damit verbracht, mich in der Québecer Altstadt umzusehen und mir die vielen unterschiedlichen Aktionen zur 400-Jahrfeier anzugucken: Märkte; Theatergruppen, die historische Szenen auf der Straße mit den Passanten nachgespielt haben; live-Musik usw. Abends gab es als Höhepunkt noch nen Umzug durch die ganze Stadt. Da meine Fotos aus der Menge heraus nichts geworden sind, gibt’s hier zum Abschluss noch eines mit Stativ von etwas weiter weg.

Umzug

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