Rehousing – Ein Antiquariat zieht um…

Ähnlich wie beim Singer’s Journal ging es auch in meinem zweiten Projekt u.a. darum, ganz grundsätzliche “Metadaten” (diesmal in eine Excelliste) aufzunehmen, damit diese später in den OPAC übertragen werden können.

Die LPA (Library for the Performing Arts) ist im Besitz eines großen Teils früher Auktions- und Verkaufskataloge des 1866 gegründeten Antiquariats von Leo Liepmannssohn. Ursprünglich in Paris und Berlin ansässig, erarbeitete es sich schnell einen internationalen Ruf, wobei von Anfang an ein Schwerpunkt auf Musikmanuskripte und -autographe gelegt wurde. Nach zwei Besitzerwechseln und einer Umbenennung arbeitet das Antiquariat heutzutage unter dem Namen “Otto Haas” von London aus.

Leo Liepmannssohn

Leo Liepmannssohn

“Was suchen die Kataloge eines Antiquariats eigentlich in einer Musikbibliothek?” könnte man jetzt fragen… Sie spielen unter Umständen eine entscheidende Rolle, wenn es zum Beispiel um die Provenienz bestimmter, vielleicht mittlerweile verschollener Manuskripte geht. Auch in Fragen der Ästhetik früherer Zeiten kann ein Blick in solche Quellen sehr aufschlussreich sein. Vielleicht ist in einem der Auktionskataloge auch ein Autograph abgebildet, dessen Original heute gar nicht mehr existiert, wodurch die Kopie zur Primärquelle aufsteigen würde… Es gibt also viele gute Gründe, auch Antiquariatskataloge aufzubewahren und der Forschung zugänglich zu machen.

Abbildungen

Abbildungen

Vor allem die Auktionskataloge machen optisch einiges her. Als Hauptwerbemedium für die Versteigerungen wurden diese vom Layout her natürlich so ansprechend wie möglich gestaltet. Das beinhaltete oft auch den Abdruck besonders schöner oder wertvoller Manuskripte, Zeichnungen etc.

Karikatur

Karikatur

Hin und wieder stolpert man auch über interessante Begrifflichkeiten, die um 1900 noch völlig gebräuchlich waren, heute jedoch in diesem Kontext undenkbar wären…

überkommene Begriffe

überkommene Begriffe

Häufig gibt es bestimmte Schwerpunkte, was die Urheber der Autographe (“Autographe berühmter Musiker, Schriftsteller, Politiker usw.”) oder die Inhalte (“Musikinstrumente”, “Musikbibliographie und Notation” usw.) angeht. Da die Exponate nicht selten einer einzigen aufgelösten Privatbibliothek oder Sammlung entspringen, spielen dortige Schwerpunkte natürlich ebenfalls eine entsprechende Rolle im Katalog, wie auch bei folgendem Beispiel…

"Liturgy and Dance from the 15th to the beginning of the 19th Century, chiefly from the Library of James E. Matthew Esq. of London"

"Liturgy and Dance from the 15th to the beginning of the 19th Century, chiefly from the Library of James E. Matthew Esq. of London"

Neben dem Auflisten von diesmal sehr rudimentären Daten (Katalognummer, Erscheinungsjahr und Beiträger – also zum Beispiel beim letzten Foto “James E. Matthew”) musste ich den Katalogen, die zum Teil schon in schlechtem Zustand sind, noch eine neue Hülle spendieren. Das nennt sich hier lustigerweise “rehousing”. ^^ In aller Kürze bedeutete das also, die alte Verpackung zu entfernen (schöner Job für Staubmilbenallergiker… ;-))…

alte Verpackung

alte Hülle

…die Kataloge in entsprechend beschrifteten Umschlägen unterzubringen…

Umschläge

Umschläge

…und in fünf handliche Boxen zu verfrachten, die dann ab demnächst auf forschungshungrige Wissenschaftler warten dürfen. ^^

Boxen

Boxen

Nebenbei bemerkt… verrückt irgendwie, dass ich mich in der New York Public Library mit Katalogen von einem Antiquariat beschäftige, das seinen Sitz zeitweise in der Charlottenstraße 63 in Berlin-Mitte hatte – also keinen Kilometer von meinem jetzigen Institut entfernt.😉

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